Praxiswissen

Sommerkrankheiten der Klaue – was du jetzt beachten musst

von Junaid Ibrahim - 15 Jun, 2025

Sommerkrankheiten der Klaue – was du jetzt beachten musst

1 | Warum der Sommer besonders kritisch ist

Hitze, hohe Luftfeuchte und Matsch machen die Monate Juli bis September zur Hochsaison für Klauenschäden. Kühe stehen länger, weil Stehen Wärme abführt; das belastet die Sohlenlederhaut und schwächt das Horn [1]. Gleichzeitig weicht Nässe das Horn auf – ein ideales Milieu für Treponema-Bakterien (Mortellaro) oder Fusobacterium necrophorum (Foot Rot) [2][3]. Fruktanreiches Weidegras kann den Stoffwechsel zusätzlich stressen; das Hufrehe-Risiko steigt [4]. Mehr Tiertransporte im Sommer erhöhen zudem das Einschlepp­potenzial von Maul- und Klauenseuche-Viren (FMD).



2 | Sommer-Risikomatrix

Sommerfaktor

Sofortwirkung in der Klaue

Langfristiger Effekt*

Hitzestress > 26 °C

Kühe stehen ca. 30 % länger → Mikrorisse & Sohlen­druck

Sole-Ulzera ↑ 20 %

Luftfeuchte > 80 %

Horn quillt, pH steigt → Treponema-Wachstum

Mortellaro-Rate ↑ 50 %

Matsch > 5 cm

Hautrisse + anaerobes Milieu

Foot-Rot-Fälle ↑ 300 %

NSC > 18 % im Weidegras 

Pansen-pH sinkt → Endotoxinschub → Weide-Laminitis

Horn wird weich, Leistung ↓

Sommerauktionen & Transporte

Keime reisen im Anhänger

höheres FMD-Risiko

† Nicht-Struktur-Kohlenhydrate
* Langfristwerte nach Literaturquellen [1]–[6]


3 | Die „Big Five“ der Sommerkrankheiten

3.1 Mortellaro (Dermatitis Digitalis)

  • Erreger: Treponema medium/phagedenis-Komplex
  • Sommer-Turbo: rel. Luftfeuchte > 85 % und verschmutzte Laufwege
  • Typisches Bild: weiche, randrote M2-Läsion am Fersenballen
  • Zielwert: < 10 % aktive M2-Läsionen im Monatscheck
  • Kupfer- & formalinfreie Hygiene:

3.2 Foot Rot (Interdigital-Phlegmon)

  • Erreger: Fusobacterium necrophorum
  • Sommer-Trigger: tiefer Matsch + Mikroverletzungen
  • Erstes Anzeichen: plötzliche, einseitige Lahmheit mit Schwellung

3.3 Hufrehe (Weide-/Stoffwechsel-Laminitis)

  • Mechanismus: NSC-Spitzen senken den Pansen-pH → Endotoxinfreisetzung → Lederhautentzündung
  • Früherkennung: Kuh stellt die Hinterklauen nebeneinander („Sommergrätsche“)
  • Milchverlust: Ø −200 kg Milch/Kuh/Laktation [4]

3.4 Weiße-Linie-Defekt

  • Rutschiger Beton erzeugt Scherkräfte → Spalt ≥ 4 mm
  • Eintrittspforte für Steine und Keime – WLD-Quote < 10 % anstreben

3.5 Sohlenulzera


4 | Sechs Hebel einer wirksamen Sommer-Klauenpflege

Hebel

Ziel

Praxisbeispiel

Feuchte < 20 %

trockenes Horn

Laufgangschieber 2×/Tag, Lüfter ab THI 68

Hygiene-Klauenbad

Keimlast senken

REDOSAN HB200, 200 l, 10 cm Tiefe, Wechsel nach 150 Kühen

Schatten & Ventilation

Liegezeit ↑, Sohlen­druck ↓

Ventilatoren + Sprühkühlung

Langsame Weideumstellung

Hufrehe vermeiden

Start 2 h Weide, alle 48 h + 2 h

Regelmäßige Klauenpflege

Druckspitzen entfernen

Profi-Einsatz im Mai & Oktober; M-Score dokumentieren

Sommer-Biosicherheit

Keime fernhalten

30-Tage-Quarantäne, Desinfektionsmatten DS30


5 | Klauenpflege-Jahreskalender

Monat

Hauptthema

To-do

Mai

Weidestart

NSC-Test Gras, Auftrieb 2 h

Juni

steigende Luftfeuchte

Lüfter kontrollieren & reinigen, HB200-Plan starten

Juli

Hitze-Peak

Zusatztränken, THI-Monitoring

August

Matschzonen

Kalk-Sägemehl auffrischen, EVA-Blöcke bereithalten

September

Erntefutter

Ration auf NSC prüfen, Biotin ergänzen

Oktober

Stallrücktrieb

Vollständige Klauenpflege + Blockwechsel

Warum NSC prüfen & Biotin ergänzen?
— Zu viele NSC senken den Pansen-pH; ein saurer Pansen setzt Endotoxine frei, die Hufrehe auslösen können [4].
— Rund 20 mg Biotin/Kuh/Tag über ≥ 60 Tage verbessern die Hornfestigkeit nachweislich und verringern Sohlenulzera [5].


6 | Nachhaltigkeit & ROI – Modellwerte*

Kennzahl

ohne System

mit Pflege & HB200

Effekt

Lahmheitsrate

28 %

12 %

–16 %

Milch kg/Kuh/Jahr

9.200

9.500

+ 300 kg

CO₂e/kg Milch†

1,43

1,37

– 4 %

Behandlungskosten

80 €/Kuh

45 €/Kuh

– 35 €

† nach FAO-LCA-Standard [6]
* Schätzungen auf Basis verifizierter Quellen; tatsächliche Ergebnisse variieren je nach Betrieb.


Hinweis zur „Nachhaltigkeit & ROI“-Tabelle

Die in der Übersicht genannten Lahmheits-, Milchleistungs-, CO- und Kosten­werte sind Modellschätzungen, keine garantierten Betriebs­ergebnisse. Sie wurden aus öffentlich zugänglichen Forschungs­daten zu durchschnittlichen deutschen Milchvieh­betrieben (120 Kühe, 9 200 kg Milch/Kuh/Jahr) abgeleitet und mit folgenden, klar dokumentierten Annahmen hochgerechnet:

Annahme

Quelle

Basis-Lahmheits­rate 28 % und Kosten ≈ 80 €/Fall

Kuratorium für Technik & Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) 2023

Reduktion auf 12 % nach konsequenter Klauenpflege, sauberem Stallklima und 3×/Woche REDOSAN-Bad

Mittelwert aus Feldstudie VU Gent 2019 (DD-M2-Rückgang 42 %) + OSU Extension 2022 (Foot-Rot-Halbierung)

Milch-Mehrleistung +300 kg/Kuh bei lahmheits­freiem Verlauf

Dairy Extension Wisconsin 2021 (-1,2 kg ECM/Tag & lahme Kuh)

COe-Minderung -4 % je kg Milch

FAO LCA-Bericht 2021: jeder vermiedene Lahmheits­tag senkt enterische & Remissions­verluste um Ø 0,06 kg CO₂e

Behandlungskosten­ersparnis -35 € je Kuh

KTBL-Kostenmodul Klauengesundheit 2023

Erklärung:
Die Tabelle zeigt einen Vergleich zwischen einem „Business-as-usual“-Szenario (keine gezielte Sommer-Klauenpflege) und einem Szenario mit aktivem Management + kupfer-/formalin­freiem REDOSAN HB200-Hygienebad.
Die Resultate wurden linear auf eine Referenz­herde übertragen und gerundet, um sie leichter lesbar zu machen.
Tatsächliche Effekte hängen von Stall­design, Fütterung, Genetik und Arbeits­abläufen ab und können höher- oder niedriger ausfallen.

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