1 | Warum der Sommer besonders kritisch ist
Hitze, hohe Luftfeuchte und Matsch machen die Monate Juli bis September zur Hochsaison für Klauenschäden. Kühe stehen länger, weil Stehen Wärme abführt; das belastet die Sohlenlederhaut und schwächt das Horn [1]. Gleichzeitig weicht Nässe das Horn auf – ein ideales Milieu für Treponema-Bakterien (Mortellaro) oder Fusobacterium necrophorum (Foot Rot) [2][3]. Fruktanreiches Weidegras kann den Stoffwechsel zusätzlich stressen; das Hufrehe-Risiko steigt [4]. Mehr Tiertransporte im Sommer erhöhen zudem das Einschlepppotenzial von Maul- und Klauenseuche-Viren (FMD).
2 | Sommer-Risikomatrix
Sommerfaktor | Sofortwirkung in der Klaue | Langfristiger Effekt* |
Hitzestress > 26 °C | Kühe stehen ca. 30 % länger → Mikrorisse & Sohlendruck | Sole-Ulzera ↑ 20 % |
Luftfeuchte > 80 % | Horn quillt, pH steigt → Treponema-Wachstum | Mortellaro-Rate ↑ 50 % |
Matsch > 5 cm | Hautrisse + anaerobes Milieu | Foot-Rot-Fälle ↑ 300 % |
NSC > 18 % im Weidegras † | Pansen-pH sinkt → Endotoxinschub → Weide-Laminitis | Horn wird weich, Leistung ↓ |
Sommerauktionen & Transporte | Keime reisen im Anhänger | höheres FMD-Risiko |
† Nicht-Struktur-Kohlenhydrate
* Langfristwerte nach Literaturquellen [1]–[6]
3 | Die „Big Five“ der Sommerkrankheiten
3.1 Mortellaro (Dermatitis Digitalis)
- Erreger: Treponema medium/phagedenis-Komplex
- Sommer-Turbo: rel. Luftfeuchte > 85 % und verschmutzte Laufwege
- Typisches Bild: weiche, randrote M2-Läsion am Fersenballen
- Zielwert: < 10 % aktive M2-Läsionen im Monatscheck
- Kupfer- & formalinfreie Hygiene:
- REDOSAN HB200 Fußbad (pH ≈ 3,5) → https://www.allredo.eu/redosan-klauenbad-hb200_20221646
In einer Feldstudie sank die Zahl neuer M2-Läsionen um 42 % innerhalb von fünf Wochen [2].
- REDOSAN HB200 Fußbad (pH ≈ 3,5) → https://www.allredo.eu/redosan-klauenbad-hb200_20221646
3.2 Foot Rot (Interdigital-Phlegmon)
- Erreger: Fusobacterium necrophorum
- Sommer-Trigger: tiefer Matsch + Mikroverletzungen
- Erstes Anzeichen: plötzliche, einseitige Lahmheit mit Schwellung
3.3 Hufrehe (Weide-/Stoffwechsel-Laminitis)
- Mechanismus: NSC-Spitzen senken den Pansen-pH → Endotoxinfreisetzung → Lederhautentzündung
- Früherkennung: Kuh stellt die Hinterklauen nebeneinander („Sommergrätsche“)
- Milchverlust: Ø −200 kg Milch/Kuh/Laktation [4]
3.4 Weiße-Linie-Defekt
- Rutschiger Beton erzeugt Scherkräfte → Spalt ≥ 4 mm
- Eintrittspforte für Steine und Keime – WLD-Quote < 10 % anstreben
3.5 Sohlenulzera
- Dauerbelastung auf heißem Beton hemmt die Mikrozirkulation, Horngewebe stirbt ab
- Entlastung (Kupfer- & Formalinfrei):
- ComfyBloc EVA → https://www.allredo.eu/912502
- Holzblock 110 mm → https://www.allredo.eu/10128
4 | Sechs Hebel einer wirksamen Sommer-Klauenpflege
Hebel | Ziel | Praxisbeispiel |
Feuchte < 20 % | trockenes Horn | Laufgangschieber 2×/Tag, Lüfter ab THI 68 |
Hygiene-Klauenbad | Keimlast senken | REDOSAN HB200, 200 l, 10 cm Tiefe, Wechsel nach 150 Kühen |
Schatten & Ventilation | Liegezeit ↑, Sohlendruck ↓ | Ventilatoren + Sprühkühlung |
Langsame Weideumstellung | Hufrehe vermeiden | Start 2 h Weide, alle 48 h + 2 h |
Regelmäßige Klauenpflege | Druckspitzen entfernen | Profi-Einsatz im Mai & Oktober; M-Score dokumentieren |
Sommer-Biosicherheit | Keime fernhalten | 30-Tage-Quarantäne, Desinfektionsmatten DS30 |
5 | Klauenpflege-Jahreskalender
Monat | Hauptthema | To-do |
Mai | Weidestart | NSC-Test Gras, Auftrieb 2 h |
Juni | steigende Luftfeuchte | Lüfter kontrollieren & reinigen, HB200-Plan starten |
Juli | Hitze-Peak | Zusatztränken, THI-Monitoring |
August | Matschzonen | Kalk-Sägemehl auffrischen, EVA-Blöcke bereithalten |
September | Erntefutter | Ration auf NSC prüfen, Biotin ergänzen |
Oktober | Stallrücktrieb | Vollständige Klauenpflege + Blockwechsel |
Warum NSC prüfen & Biotin ergänzen?
— Zu viele NSC senken den Pansen-pH; ein saurer Pansen setzt Endotoxine frei, die Hufrehe auslösen können [4].
— Rund 20 mg Biotin/Kuh/Tag über ≥ 60 Tage verbessern die Hornfestigkeit nachweislich und verringern Sohlenulzera [5].
6 | Nachhaltigkeit & ROI – Modellwerte*
Kennzahl | ohne System | mit Pflege & HB200 | Effekt |
Lahmheitsrate | 28 % | 12 % | –16 % |
Milch kg/Kuh/Jahr | 9.200 | 9.500 | + 300 kg |
CO₂e/kg Milch† | 1,43 | 1,37 | – 4 % |
Behandlungskosten | 80 €/Kuh | 45 €/Kuh | – 35 € |
† nach FAO-LCA-Standard [6]
* Schätzungen auf Basis verifizierter Quellen; tatsächliche Ergebnisse variieren je nach Betrieb.
Hinweis zur „Nachhaltigkeit & ROI“-Tabelle
Die in der Übersicht genannten Lahmheits-, Milchleistungs-, CO₂- und Kostenwerte sind Modellschätzungen, keine garantierten Betriebsergebnisse. Sie wurden aus öffentlich zugänglichen Forschungsdaten zu durchschnittlichen deutschen Milchviehbetrieben (120 Kühe, 9 200 kg Milch/Kuh/Jahr) abgeleitet und mit folgenden, klar dokumentierten Annahmen hochgerechnet:
Annahme | Quelle |
Basis-Lahmheitsrate 28 % und Kosten ≈ 80 €/Fall | Kuratorium für Technik & Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) 2023 |
Reduktion auf 12 % nach konsequenter Klauenpflege, sauberem Stallklima und 3×/Woche REDOSAN-Bad | Mittelwert aus Feldstudie VU Gent 2019 (DD-M2-Rückgang 42 %) + OSU Extension 2022 (Foot-Rot-Halbierung) |
Milch-Mehrleistung +300 kg/Kuh bei lahmheitsfreiem Verlauf | Dairy Extension Wisconsin 2021 (-1,2 kg ECM/Tag & lahme Kuh) |
CO₂e-Minderung -4 % je kg Milch | FAO LCA-Bericht 2021: jeder vermiedene Lahmheitstag senkt enterische & Remissionsverluste um Ø 0,06 kg CO₂e |
Behandlungskostenersparnis -35 € je Kuh | KTBL-Kostenmodul Klauengesundheit 2023 |
Erklärung:
Die Tabelle zeigt einen Vergleich zwischen einem „Business-as-usual“-Szenario (keine gezielte Sommer-Klauenpflege) und einem Szenario mit aktivem Management + kupfer-/formalinfreiem REDOSAN HB200-Hygienebad.
Die Resultate wurden linear auf eine Referenzherde übertragen und gerundet, um sie leichter lesbar zu machen.
Tatsächliche Effekte hängen von Stalldesign, Fütterung, Genetik und Arbeitsabläufen ab und können höher- oder niedriger ausfallen.